Philosophie
Vertreten wird die klassische Ausbildung von Pferd und Reiter nach den natürlichen Grundsätzen. Diese sind seit Jahrhunderten festgelegt und stellen sich wie folgt dar:
Das Fundament bilden der gleichgewichtige Sitz des Reiters und die Los-gelassenheit des Pferdes. An der Longe lernt der Reiter den gleichgewichtigen und losgelassenen Sitz ohne den eine korrekte Einwirkung auf das Pferd nicht möglich ist.
Die Sitzschulung erfolgt auf erfahrenen Pferden um dem Reitschüler ein Gefühl für den richtigen Takt zu geben. Er findet Vertrauen zum Pferd; somit kann er sich voll auf die Bewegungen des Pferdes konzentrieren und anpassen. Auch für fortgeschrittene Reiter sind Sitzübungen an der Longe unerlässlich.
Die psychische und physische Losgelassenheit des Pferdes muss in jeder Phase der Ausbildung und bei jeder Lektion erhalten bleiben. Sie ist ein Indiz vom Vertrauen des Pferdes zum Reiter und ist gekennzeichnet u. a. durch den zufriedenen Gesichtsausdruck sowie den taktmäßig schwingenden Rücken und den pendelnden Schweif.
Takt bedeutet das Gleichmaß der Bewegung, Tempo ist der Raumgriff. Jedes Pferd hat seinen eigenen Takt, dem der Reiter sich anpassen muss, um die Losgelassenheit des Pferdes zu erhalten und um das natürliche Gleichgewicht und die Balance des Pferdes nicht zu stören. Der Reiter muss seinen Schwerpunkt über den des Pferdes bringen damit sich das Pferd aus- balancieren kann und der Takt erhalten bleibt. Sobald Reiter und Pferd sich im Gleichgewicht befinden, sucht das Pferd die Anlehnung an das Gebiss und der Reiter kommt zum Treiben. Das Pferd rundet den Hals in die fühlende Reiterhand hinein und erhält dadurch eine relative Aufrichtung.
Die Reiterhand filtert die treibenden Hilfen so, dass sich der Schwung entwickelt. Dieser zeigt sich durch das energische Abfußen und Vorgreifen der Gliedmaßen. Schließlich besitzen alle Pferde, da es im Tierreich keine Symmetrie gibt, eine mehr oder weniger ausgeprägte Schiefe nach der einen oder anderen Seite.
Der Bewegungsapparat kann seine volle Leistung nur in gerader Richtung erbringen und nur das Pferd kann gerade gehen, dessen Wirbelsäule symmetrisch schwingt. Die Geraderichtung wird durch Stellung und Biegung erreicht. Dies bedeutet ein geschmeidig machen des Pferdes durch gymnastische Übungen auf beiden Seiten. Somit wird eine gewisse Durchlässigkeit erreicht. Durch das sich daraus ergebende vermehrte Beugen der Hinterhand werden die Tritte und Sprünge elastischer und erhabener; es entsteht die Versammlung. Den höchsten Grad der Versammlung bildet die Piaffe, eine Trabbewegung fast auf der Stelle.
Die Ausbildungsskala muss immer als ganzes betrachtet werden: am Beginn jeder Arbeitsstunde steht zunächst als erstes das Ziel, die Losgelassenheit und die taktmäßigen Bewegungen des Pferdes zu erreichen. Nur wenn man diese Grundsätze befolgt kann man Höchstleistungen verlangen und in voller Harmonie Eins werden mit dem Pferd.